Herzlich Willkommen auf der WebSite des Theaters „Mechaje“
Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer!
Wir haben nun mit Ihnen die wunderbare Möglichkeit, uns nicht nur in der realen
Welt zu treffen, sondern auch in der virtuellen. Unser jüdisches Theater wird
Sie mit großer Freude und großem Vergnügen (A Mechaje!) mit der
jüdischen Literatur, Dramaturgie und Musik bekannt machen und darüber
hinaus mit unserem verblüffend interessanten Emigrantenleben in Deutschland.
Das Theater „Mechaje“ wünscht Ihnen Vergnügen und Freude durch den Kontakt
mit uns. Kommen Sie und besuchen Sie uns in der Realität!!!
Michael Beitman-Korchagin, Gründer und Künstlerischer Leiter des Theaters
„Elkas Gold“
Familiengeheimnisse im Trödelladen
Das Jüdische Theater Mechaje zeigte am Sonntag in Rostock „Elkas Gold“. Danach soll das Stück auf Reisen gehen. Von Thorsten Czarkowski.
Rostock– Mit „Elkas Gold“ hatte am Sonntag ein Stück von Jossef Bar Jossef Premiere im Theater im Stadthafen. Das Ensemble des Jüdischen Theaters Mechaje spielte es unter der Regie von Michael Beitman-Kortschagin.
Schauplatz ist ein familieneigener Trödelladen (Bühnenbild: Jakov Severinovski), der auch Enge und Muffigkeit symbolisiert. Elka (Marina Beitman) hat zwei Söhne, wie sie unterschiedlicher nicht sein können – der ruhige Pessach (Leonid Torkiani) und der angeberische Aaron (Vadim Grakovski). Während Pessach noch bei seiner Mutter wohnt, hat Aaron die Welt gesehen. Gerade ist er aus Amerika nach Israel zurückgekehrt, aber nur, weil er Geld braucht.
Dieser Umstand führt Söhne und Mutter wieder zusammen. Dahinter steht die Geschichte von einem Familienschatz, der irgendwo vergraben liegen soll. Er musste zurückgelassen werden, denn vor vielen Jahren hatte Elka mit ihren beiden Söhnen die beschwerliche Fahrt nach Israel unternommen, um dem Holocaust zu entrinnen und ein neues Glück zu suchen. Die in schwerer Zeit gewachsene Zusammengehörigkeit wird von den Söhnen als nicht mehr zeitgemäß empfunden. Dies erklärt zum Teil die schwelenden Konflikte. Denn Elkas Mutterliebe ist längst umgeschlagen in eine Unfähigkeit, ihre Söhne loszulassen.
So erzählt „Elkas Gold“ als Drama mit leicht komödiantischen Zügen einen schmerzvoll verlaufenden Familienkonflikt. Hinter dem Drama schimmert immer das Trauma durch. Die Legende vom Gold ist nur die äußere Klammer für die Geschichte. Der angeblich vergrabene Schatz bleibt eine Chimäre. „Onkel Jakob wird es irgendwann finden“, sagt Elka über das Gold.
Unterdessen hat sich Malija (Svetlana Lychko), eine unverheiratete Mutter, in Pessach verguckt. Der ledige Tischler hat sich ein reines Herz bewahrt. Aber das Hin- und Hergerissensein zwischen der Mutter und der Verehrerin bringt den Junggesellen in Entscheidungszwang. Pessach ist jemand, der sein Leben in stiller Erduldung geführt hat, diese Blockade bricht nur langsam auf. Sein älterer Bruder Aaron ist ein Schwerenöter, der ein pragmatisches Verhältnis zu Frauen pflegt, die Liebe kommt nur am Rande vor. „Eine Frau muss man wie ein Medikament nehmen: Wenn es sein muss, mit Sinn und Verstand.“ Aarons Frau Lili (Tatjana Knat), ein eher burschikoses Wesen, steht als lebendes Beispiel für diese These. Und schließlich tritt ein unverarbeiteter Konflikt zwischen den Söhnen zutage. Der Kontrast zwischen Aaron und Pessach ist einfach zu stark – hier der Angeber, dort der Träumer.
„Elkas Gold“ bekommt letztlich einen ganz anderen Schwerpunkt: Aus einer Suche nach dem Gold wird eine Suche nach dem Glück. Marina Beitman lebt die emotionalen Schwingungen der Hauptfigur bis zum Ende aus, zwischen Hochmut und Verzweiflung. Auch der widersprüchliche Aaron ist eine echte Herausforderung, die Vadim Grakovski dankbar annimmt und meistert. So war „Elkas Gold“ ein bewegendes Stück. Es wurde auf Russisch gespielt, für die deutschen Zuschauer gab’s eine Simultanübersetzung. Weitere Vorstellungen sind in Schwerin und Wismar geplant, aber noch undatiert. Danach soll „Elkas Gold“ auf Reisen gehen, das Mechaje-Ensemble will das Stück unter anderem in Bremen, Berlin und Kiel zeigen.
Mechaje plant Ende Oktober ein Theaterfestival
Das Jüdische Theater Mechaje (gegründet 1997 in Rostock) hat nicht nur eigene Aufführungen, es plant etwas Besonderes. Vom 28. bis 30. Oktober will Leiter Michael Beitman-Kortschagin in Rostock ein Festival für jüdische Dramatik und Theater veranstalten. „Es wäre das erste Mal, dass in Deutschland so etwas stattfindet“, betont Beitman-Kortschagin. Acht jüdische Theater aus ganz Deutschland sollen eingeladen werden. Finanzielle Zusagen hat Mechaje bereits vom Zentralrat der Juden, vom Schweriner Kultusministerium und einigen Sponsoren. „Nur aus der Rostocker Stadtverwaltung haben wir noch keine positive Antwort“, so Michael Beitman-Kortschagin.
(Quelle: OZ, Dienstag, 3. April 2012, S. 17)

